USB-Stick von Medion

Backup: Möglichkeiten und Übersicht

Stand: 21.08.2017, Erstveröffentlichung: 21.08.2017, Autor: Christoph Heise

Was ist ein Backup?

"Backup" bedeutet nichts anderes als "Datensicherung". Ziel ist das Erhalten von Daten (z.B. Fotos, Videos, Verträge) auch nach technischen Ausfällen oder anderen Störungen. Im Fall der Störung kann sich einer Sicherungskopie bedient werden. Das Thema Backup wird immer noch von vielen Menschen unterschätzt.

Wieso jeder ein Backup braucht

Stell dir vor, dein Computer startet nicht mehr. Der Zugriff auf deine gesamten Daten ist nicht mehr möglich, weil deine Festplatte defekt ist. Wäre das ein Problem? Wenn ja, brauchst du ein Backup! Im besagten Fall hättest du die Wahl: Die Daten aufgeben oder die Daten für viel Geld von einem Dienstleister auslesen lassen. Andere Störungen lassen dir vielleicht gar keine Wahl:

Versehentliches Löschen

Bedienfehler von Programmen, Verwechslung von Dateien beim Löschvorgang oder falsche Einschätzung der zukünftigen Relevanz von Dateien können zum versehentlichen Löschen von Daten führen. Technisches Fachwissen und ein höherer Aufwand sind nötig, um gelöschte Dateien wiederherzustellen.

Technische Ausfälle

Verschleiß der Festplatte, Überspannung oder Sturz der Hardware können den Zugriff auf die eigenen Daten unmöglich machen. Dienstleister können auf solche Art beschädigte Festplatten auslesen und die Daten wiederherstellen. Vielen Privatpersonen sind die Kosten allerdings zu hoch.

Verlust des Datenträgers

Der Diebstahl des Laptops unterwegs, der Diebstahl des Desktop-Computers bei Wohnungseinbruch, der Verlust der Hardware durch Wohnungsbrand oder Überschwemmung können jegliche Hoffnung auf die Wiederherstellung von Daten zerstören.

Manipulation

Der Befall durch Schadsoftware kann Dateien zerstören oder im Sinn einer Erpressung verschlüsseln (Stichwort: Ransomware, Erpressungstrojaner).

Womit dieser Artikel hilft

Du bekommst in diesem Artikel vom Betriebssystem unabhängige Backup-Möglichkeiten für deinen Rechner und deine Daten aufgezeigt. Ohne verwirrende Fachbegriffe und in einer für den Einstieg ausreichenden fachlichen Tiefe lernst du die jeweiligen Vor- und Nachteile kennen. Eine Tabellenübersicht hilft dir letztlich bei der Entscheidung für eine eigene Backup-Lösung.

Was sind dir deine Daten wert?

Stell dir zur Beantwortung dieser Frage vor, deine Daten wären plötzlich ohne die Chance auf Wiederherstellung verschwunden! Der nun vorhandene Schaden gibt dir ein Gefühl dafür, wie viel dir deine Daten wert sind. Nun unterscheidet sich sicherlich die Art von Wert je nach Person und Daten. Der ideelle Wert alter Familienfotos kann nicht in Eurobeträgen angegeben werden. Der Wert eines Arbeitsfortschrittes in einer bestimmten Zeit ist allerdings berechenbar. Dein den Daten zugewiesener Wert sollte dich zu einer Backup-Lösung motivieren und im Detail Antworten in Bezug auf Schutzumfang und Backupfrequenz bestimmen. So könnte genau in den Zeitabständen ein Backup durchgeführt werden, zu denen der mögliche Verlust des Arbeitsfortschrittes die Schmerzgrenze des dann verlorenen Eurobetrags erreicht. Auf ideeller Seite ergibt es vielleicht Sinn, nach Familienfesten das Backup durchzuführen, um die neuen Fotos gleich in Sicherheit zu wissen.

Welche Backup-Möglichkeiten gibt es?

USB-Datenträger am Rechner

Mit relativ geringem Aufwand lassen sich die eigenen Daten auf einen USB-Stick oder eine USB-Festplatte kopieren. Dies kann manuell oder durch eine Software automatisch durchgeführt werden. Die Kosten belaufen sich auf die einmalige Anschaffung des Speichermediums (evtl. mit Backup-Software) und bewegen sich zwischen 60 und 150 Euro für einfache Produkte. Die Speicherkapazität sollte auf jeden Fall höher als die Gesamtkapazität der zu sichernden Daten sein. Die doppelte Kapazität sollte alle Möglichkeiten offen halten. Neben dem relativ geringen Aufwand ist die erreichbare hohe Backupfrequenz positiv zu erwähnen. Eine Backup-Software kann zeitnah jede Änderung sichern. So sind selbst die neuesten Daten im Backup. Diese Möglichkeit bietet den wichtigen Schutz gegen Datenverlust bei technischem Ausfall. Der Schutz ist allerdings begrenzt, denn bei Wohnungsbrand, -überschwemmung oder -einbruch fehlt die vom Rechner örtlich getrennte Aufbewahrung des Backups.

Clouddienste

Mit vergleichbarem Aufwand lässt sich eine vom Rechner örtlich getrennte Lagerung der Backup-Daten in der sogenannten Cloud erreichen. Der Cloudspeicher ist vereinfacht beschrieben dein Speichermedium irgendwo in der Welt, welches du über das Internet erreichst. Auch hier ist eine sehr hohe Backupfrequenz möglich. Diesen Speicher mietest du üblicherweise an. So entstehen laufende Kosten, die je nach Kapazität und Anbieter variieren. Im Laufe von 1-2 Jahren können Anschaffungskosten von USB-Festplatten überstiegen werden. Dafür garantiert der Anbieter moderne Technik und man muss sich nicht um die Hardware kümmern. Im Vergleich sollte einem bewusst sein, dass die eigene USB-Festplatte nicht ewig sicher läuft und zeitweise erneuert werden müsste. Was die Cloud jedoch ganz klar von der USB-Backup-Festplatte unterscheidet ist der Zugriff auf die Daten. Der Zugriff erfolgt über das Internet. Eine schnelle Internetleitung ist Voraussetzung. Auch ist der Zugriff auf den Cloudserver theoretisch von überall und zu jeder Zeit möglich. Was für einen selbst sehr praktisch sein kann, schließt Fremdzugriffe zum Beispiel von Hackern nicht aus. Wer sensible Dateien sichern möchte, sollte sich diesbezüglich auf jeden Fall separat informieren.

NAS

Ein NAS ist ein netzgebundener Speicher, der ins Heimnetzwerk (z.B. durch den Anschluss an den Router) integriert werden kann. Der Datenübertragungsweg ist das oft schnellere Netzwerk, nicht das Internet, weil das NAS zu Hause steht. Aus gleichem Grund entfallen die laufenden Kosten, wobei der Stromverbrauch hier nicht berücksichtigt ist. Ist das eigene Netzwerk wie üblich mit dem Internet verbunden, sind wie bei der Cloud eigene praktische Fernzugriffe sowie theoretisch ungewollte Fremdzugriffe durch Hacker möglich. Der Installationsaufwand ist überschaubar. Eine hohe Backupfrequenz ist möglich. Der Schutz gegen technischen Defekt ist gegeben. Durch die Integration mehrerer Festplatten in das NAS und die entsprechenden Softwareeinstellungen kann dieser Schutz sehr hoch sein. Der Schutz bei Wohnungseinbruch und -brand ist eher gering. Immerhin steht das NAS meistens in der selben Wohnung. Die Anschaffungskosten variieren je nach Leistung sehr stark. Im Allgemeinen liegen die Kosten weit über denen einer USB-Festplatte und sind eher mit der Anschaffung eines neuen Rechners zu vergleichen. Begründet ist dies darin, dass das NAS bei weitem mehr als eine Backup-Festplatte im Netzwerk ist. Verschiedenste Dienste (z.B. Videostreaming) können auf dem NAS laufen.

USB-Datenträger zum Mitnehmen

Nach dem Prinzip des USB-Datenträgers am Rechner kann der Stick oder die Festplatte auch beim Verlassen des Arbeitsplatzes abgezogen und mitgenommen werden. So hat man jederzeit und überall Zugriff auf seine Daten und bietet den Schutz bei Wohnungseinbruch und -brand. Wie auch bei den anderen Lösungen möglich, sollte man hier jedoch keinesfalls auf eine Verschlüsselung der Daten verzichten. Software wie VeraCrypt lässt sich auf sämtlichen Speichermedien verwenden und verhindert das Lesen der Daten ohne die korrekte Passworteingabe. Wie immer und überall ist dies kein 100%iger Schutz vor Fremdzugriff. Die Kosten belaufen sich auf die einmalige Anschaffung des Speichermediums, entsprechende Software gibt es als Freeware. Im Fall einer Festplatte sollte sich für eine SSD entschieden werden. Diese ist deutlich stoßresistenter als die HDD.

USB-Datenträger an sicherem Ort

Ein USB-Datenträger wird mit den verschlüsselten Backup-Daten an einem sicheren Ort gelagert. Ein sicherer Ort könnte die Wohnung eines Freundes oder ein Bankschließfach sein. Im Falle des Bankschließfachs entstehen laufende Kosten. Der Schutz ist in allen Bereichen sehr hoch. Allerdings entstehen Nachteile wie ein hoher Aufwand, durch den die Backupfrequenz leiden kann. Außerdem ist die Verfügbarkeit der Daten geringer, sollte zum Beispiel der Freund im Urlaub oder die Bank geschlossen sein. Empfehlenswert sind zwei Speichermedien, damit bei einem Besuch von Freund oder Bank nur ein Austausch erfolgen muss und keine nicht gebackupten Zeiten entstehen.

Tabelle 1: Übersicht zu Backup-Möglichkeiten
USB-Datenträger am Rechner Clouddienste NAS USB-Datenträger zum Mitnehmen USB-Datenträger an sicherem Ort
Schutz bei technischem Defekt ja ja ja ja ja
Schutz bei Brand und Einbruch nein ja nein ja ja
Schutz gegen Fremdzugriff rechnerabhängig kein absoluter Schutz kein absoluter Schutz ja bei eigener Sorgsamkeit ja
Fernzugriff/ Datenverfügbarkeit nicht ohne weitere Maßnahmen ja ja ja nein
hohe Backupfrequenz wahrscheinlich ja ja ja ja nein
Kosten gering, einmalig gering, laufend hoch, einmalig gering, einmalig gering oder laufend
Aufwand gering gering relativ gering etwas höher hoch

Wie sieht eine Backup-Lösung aus?

Eine Backup-Lösung sollte immer individuell auf den Benutzer und seine Daten zugeschnitten sein. Als Beispiel betrachten wir Max, der seinen Rechner ausschließlich privat benutzt. Max' wertvollste Daten sind Familienfotos. Fast wöchentlich kommen neue Fotos hinzu. Des Weiteren speichert er gelegentlich Briefe und Bewerbungen ab.
Max will seine Daten unbedingt tagesaktuell vor einem möglichen Ausfall der Festplatte schützen. Die Gefahr eines technischen Ausfalls schätzt er am höhsten ein. Da er keinen Fernzugriff von unterwegs auf seine Daten benötigt, entscheidet er sich für eine USB-Festplatte am Rechner. Eine entsprechende Backup-Software erhält von ihm die Aufgabe, ausgewählte Verzeichnisse täglich zu sichern.
Max ist bewusst, dass dennoch alle Daten durch einen Wohnungsbrand oder -einbruch auf einmal verloren gehen könnten und will sich diesbezüglich absichern. Er entscheidet sich, zusätzlich zur USB-Festplatte am Rechner einmal im Jahr alle für ihn wichtigen Daten verschlüsselt auf eine weitere USB-Festplatte zu kopieren. Diese deponiert er in einem Bankschließfach. Er entschied sich bewusst gegen einen Clouddienst, denn er hat ein ungutes Gefühl dabei, private Fotos irgendwo im Internet zu speichern.

Max ist nun gegen einfache technische Ausfälle abgesichert. Höchstwahrscheinlich verliert er in einem solchen Fall keine Daten. Maximal sind die Daten eines Tages verloren.
Im Fall eines Wohnungsbrands oder -einbruchs gehen Max höchstwahrscheinlich Daten verloren. Wie viele Daten verloren gehen, hängt vom Zeitpunkt ab. Maximal werden die Daten eines Jahres verloren sein. Dieses Risiko akzeptiert er, hauptsache die älteren Familienfotos sind sicher.

Tabelle 2: Übersicht zu Max' Backup-Lösung
USB-Datenträger am Rechner USB-Datenträger an sicherem Ort Max' Backup-Lösung
Schutz bei technischem Defekt ja ja ja
Schutz bei Brand und Einbruch nein ja ja
Schutz gegen Fremdzugriff rechnerabhängig ja rechnerabhängig
Fernzugriff/ Datenverfügbarkeit nicht ohne weitere Maßnahmen nein nicht ohne weitere Maßnahmen
hohe Backupfrequenz wahrscheinlich ja nein ja für den Schutz bei technischen Ausfall
Kosten gering, einmalig gering oder laufend einmal relativ gering, evtl. zusätzlich laufend
Aufwand gering hoch gering für Schutz bei technischem Ausfall, hoch 1x im Jahr für weiteren Schutz

Zusammenfassung

Ein Backup ist ein Muss für jeden Benutzer oder Rechner, der nicht verzichtbare Daten besitzt. Unterschiedlichste Ereignisse können plötzlich zum Datenverlust führen. Insbesondere der Schutz bei einem einfachen technischen Ausfall ist mit geringen Kosten und geringem Aufwand verbunden. Wer in einem solchen Fall Daten verliert, muss die Schuld bei sich selbst suchen. Auch für einen höheren Schutz, der über den Schutz bei einem einfachen technischen Ausfall hinaus geht, wurden in diesem Artikel Möglichkeiten aufgezeigt. Einzelne Backup-Möglichkeiten können wie in Max' Beispiel kombiniert werden, um einen höheren Schutz zu erreichen.

Ich würde mich freuen, wenn du uns deine eigenen Backup-Möglichkeiten erzählst.
Hast du Hinweise oder Ergänzungen zu meinen Backup-Möglichkeiten? Lass uns diskutieren!


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ARTIKEL KOMMENTIEREN

Bianka Donner schrieb am 28.08.2017 um 19:54 Uhr:

Der Beitrag ist sehr sehr gut und hilfreich. Die Durchführung eines Backup ist auch gut beschrieben.
Ich vergesse oft meine Daten zu sichern.
Eine Handy - App ist natürlich sehr zu empfehlen.
Denn das Handy hat man meist mit(wie schon von KarstenK erwähnt), einen Stick kann man auch vergessen.

BiankaD


Christoph Heise schrieb am 22.08.2017 um 08:14 Uhr:

Hallo Karsten! Danke für deine Ergänzung. Das Smartphone ist praktisch als Backup-Speicher. So braucht man kein zusätzliches Gerät rumtragen. Man hat es ja eh immer dabei. Wie sieht es mit der Speicherkapazität aus? Könnte mir vorstellen, dass sie gerade beim iPhone eine teure Angelegenheit ist. Andere Hersteller, die den Speicher per SD-Karte erweitern lassen, sind perfekt dafür.


KarstenK schrieb am 21.08.2017 um 23:54 Uhr:

Es gibt übrigens auch Apps für's Smartphone (z.B. "USB Disk" für iPhone), wo man sein Handy als USB-Festplatte benutzen kann. So hat man sein Backup immer dabei.


KarstenK schrieb am 21.08.2017 um 23:27 Uhr:

Sehr guter Artikel!!!